Warum finden sich liebende Eltern im Alter manchmal allein wieder?

Viele Frauen stellen sich Fragen, wenn sie ihre Eltern beobachten oder sich in die Zukunft träumen: Wie kann aufrichtige Liebe manchmal in Distanz umschlagen? Warum empfinden manche Eltern, trotz ihrer tiefen Zuneigung, Einsamkeit? Dieser Widerspruch ist beunruhigend … und doch gibt es eine Erklärung, die oft übersehen wird, selbst wenn sie sich direkt vor unseren Augen entfaltet.

Wenn die Liebe überhandnimmt… und am Ende erstickt

Eine ähnliche Dynamik zeigt sich in vielen Familien: Anfangs basiert alles auf dem Wunsch, das Richtige zu tun. Ratschläge werden gegeben, Schutz angeboten, und man wahrt eine vorausschauende Haltung, um Schwierigkeiten zu vermeiden. Doch mit der Zeit kann diese übertriebene Fürsorge für das Kind, das nun erwachsen ist, zur Belastung werden. Wiederholte Bemerkungen, eine übermäßig ständige Präsenz, das Bedürfnis, unentbehrlich zu sein … und die Beziehung schwächt sich subtil, fast unmerklich ab.

Manche Frauen stellen es eines Tages überrascht fest: Was sie für eine liebevolle Geste hielten, kann als Distanzierung wahrgenommen werden. Und dann entsteht Distanz.

Das lebensnotwendige Bedürfnis nach Autonomie: ein notwendiger Schritt

Wir vergessen es manchmal, aber sich ein eigenes Leben aufzubauen ist ein wesentlicher Schritt. Jeder braucht seine eigenen Entscheidungen, seine eigenen Fehler, seinen eigenen Rhythmus. Wenn Eltern Schwierigkeiten haben, diese Autonomieentwicklung zu fördern, spürt das Kind einen stillen Druck, selbst wenn er nicht ausgesprochen wird. Im Laufe der Jahre wandelt sich dieser Druck in Unbehagen und schließlich in Entfremdung.

Der Psychologe   Fritz Perls   brachte es auf den Punkt: Kinder hören nicht auf, ihre Eltern zu lieben; sie distanzieren sich, wenn sie bestimmte Verhaltensweisen nicht mehr tolerieren können. Nicht aus Mangel an Zuneigung, sondern um wieder durchatmen zu können.